Die medizinische und psychotherapeutische Behandlung von trans* Personen hat in der Schweiz eine lange Tradition. Zur Einleitung der medizinischen Transition wendeten sich die meisten Behandlungssuchenden an universitäre Institutionen (Universitätsspital Basel, Universitätsspital Lausanne, Universitätsspital Zürich), welche je nach diagnostischer und therapeutischer Epoche die geschlechtsangleichenden Schritte für die jeweilige trans* Person einleiteten (oder nicht). Die universitäre psychiatrische und medizinische Betreuung von trans* Personen fand praktisch ohne strukturierte Koordination zwischen den verschiedenen therapeutischen Anbieter_innen statt. Mit trans* Expert_innen fand kein Kontakt statt.

Unter Berücksichtigung sich abzeichnender oder bereits vollzogener, wichtiger klinischer und wissenschaftlicher Veränderungen bei der Begleitung und Behandlung von trans* Personen (SoC V7; DSM-5; Entpathologisierung von Trans*), entschied sich David Garcia Nuñez eine „Zusammenkunft von sexualtherapeutisch engagierten Psychotherapeut_innen und Psychiater_innen“ zu organisieren. Er war zum Zeitpunkt des Treffens (17.11.2011) als zukünftiger Oberarzt der „Sprechstunde für Transsexualismus“ und der „Sprechstunde für Sexualmedizin“ am Universitätsspital Zürich designiert und wollte vor dem Hintergrund der historisch gewachsenen defizitären Situation insbesondere die externe Vernetzung verbessern. Bereits zu diesem Anlass wurden verschiedene trans* Expert_innen, welche durch das Transgender Network Switzerland (TGNS) vermittelt wurden, eingeladen.

In der Folge fanden im Jahr 2012 zwei weitere Treffen der Gruppe statt, die sich nun TIS-Gruppe nannte (TIS = Therapeutinnen und Therapeuten für Identität und Sexualität). Im Rahmen dieser Sitzungen wurden einige Probleme der verschiedenen Versorgungsbereiche besprochen. Als erste Lösungsmassnahmen wurden einerseits eine Intervisionsgruppe, in welcher sexualtherapeutische Fragestellungen diskutiert werden sollten, und andererseits eine Arbeitsgruppe zur Überarbeitung der Behandlungsstandards für trans* Personen gegründet. Die produktive Zusammenarbeit der letztgenannten Gruppe mündete 2014 in der Publikation von aktualisierten Behandlungsempfehlungen für trans* Personen im Swiss Medical Forum.

Im Verlauf der Zeit zeigte sich, dass die meisten TIS-Mitglieder ihre Expertise zur Begleitung und Behandlung von trans* Personen als gering einschätzten, obwohl sie gleichzeitig grosses Interesse hatten, um mit diesen Klient_innen zusammen zu arbeiten. Zur Behebung dieses Umstands fand am 17.09.2012 im Rahmen einer TIS-Sitzung ein Treffen zum Thema „Transidentität“ statt. Dieses Treffen kann als die „Geburtsstunde“ der Fachgruppe Trans bezeichnet werden. Das Interesse nach dieser Sitzung hielt an, so dass in der Folge weitere regelmässige Treffen vereinbart wurden. Als Koordinator – und späterer Gruppenvorsitzender – wurde Ende 2012 Patrick Gross genannt.

Nach diesem Schritt folgte eine permanente Wachstums- und ständige Stabilisierungsphase. Aus der ursprünglichen „kleinen Ansammlung“ von interessierten Therapeut_innen und trans* Expert_innen ist in der Zwischenzeit eine multiprofessionelle Gruppe von gegen 100 Mitgliedern geworden. In der Fachgruppe Trans* finden sich cis* und trans* Fachleute aus folgenden Bereichen:

Psychiatrie, Psychotherapie, Psychologie.
Plastische Chirurgie, Viszeralchirurgie, Endokrinologie, Gynäkologie, Dermatologie.
Logopädie und Phoniatrie.
Soziale Arbeit, Pflege

Parallel dazu hat die Zahl der trans* Expert_innen ständig zugenommen, so dass sie aktuell 15% der Fachgruppe bilden.

Weblink Fachgruppe Trans*

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